Tackleberry, Cobretti, My own Life, The Force within /2.10. - Oschersleben, Alge

Eigentlich war ich mit den Disturbers auch für diesen Abend eingeplant, was jedoch leider aus arbeitstechnischen Gründen nicht klappte.
Große Frustration also aufgrund der Aussicht, schon wieder nicht zu Cobretti sehen, die mit ihrer Debutscheibe seit zig Wochen meine private Playlist anführen und die mir immer aus irgendwelchen beknackten Gründen durch die Lappen gegangen sind, wenn sie in Kiel waren. …mal ganz davon abgesehen, dass es noch die mir bereits bekannten Qualitäten von The Force Within aus Bonn und den einzigartigen Dremu-Newcomern des Jahres, Tackleberry zu verpassen gab.

Also kurzerhand einen Mitfahrplatz im Tacklebärchenmobil erschnorrt und gemütlich nach Sachsen-Anhalt in die Nähe von Magdeburg geeiert und zwar in die Alge e.V. in Oschersleben, ein ziemlich amtlicher Schuppen mit halbem Liter Bier für 60 Cent, lecker veganer Beköstigung und einer ganzen Menge grundsympathischer Menschen.

Eröffnet wurde der Abend dann von The Force Within, die mit Tackleberry jüngst ne nette Tour gespielt und eine famose Splitscheibe veröffentlicht haben.
Sehr feiner Hardcore mit deutschen und englischen Texten sowie Klampfer Aiko, der auch als Dauerpraktikant bei der eben genannten Kieler Kapelle bekannt sein dürfte und sich auch an diesem Abend wieder die Doppelbelastung in Form von Auftritten mit beiden Bands gab.

Obwohl da durchaus sehr Ordentliches abgeliefert wurde, wollte der Funke noch nicht so richtig überspringen, auch wenn da schon die ein- oder andere zaghafte Hüpferei abging.
Augenscheinlich wartete ein Großteil des Publikums auf die zweite Band „My Own Life“ aus Rübeland (wo auch immer das sein mag, aber die Band kommt laut eigener Angabe von dort), deren Musik ich hier mal als Metalcore beschreibe.
Die Jungs hauten einem ein an sich ziemlich geiles Geballer um die Ohren, nur die Posen auf der Bühne dazu …hauerha…ich sach mal die hatten’s halt nicht nur im (klar, tätowierten) rechten Oberarm, sondern auch im linken - und zwar ganz, ganz dolle ernsthaft!!

Da hab ich mir dann doch irgendwann eine Bierpause gegönnt, um mich mental schon mal voll und ganz auf Köln-Mülheim-Hardcore einzustimmen.
Als Cobretti dann loslegten wurde mir ziemlich schnell klar, warum dieser Eintagestrip in die ostdeutsche Pampa sein musste, denn die Jungs brannten genau das Feuerwerk ab, das ich mir nach Genuss der Platte erhofft hatte – nur geil!
An dieser Stelle seien dem geneigten Hörer besonders „Cpt. Yesterday“, „Survival of the most superficial“, „Tastes like war“, sowie „The fine art of throwing a bottle“ an Herz gelegt. Kein Song ohne geiles Gitarrenriff, mindestens einer zündenden Melodie und immer der richtigen Idee – das funktionierte auch beim Mob vor der Bühne. Offensichtlich waren nicht nur den fleißig mitsingenden Tackleberrys einige Songs bekannt und es gab sogar kurzzeitig einen kleinen Circle-Pit, so dass sich Vokalartist Carsten mehrfach zum Stagediven bitten ließ, um von genau einer(!) Person aufgefangen zu werden (wer der Anwesenden hat sich für den Quatsch wohl wieder hergegeben – grmpf).

Nach dem Gig musste man sich die überaus seltene Frage stellen, ob Tackleberry hier wirklich noch mal einen draufsetzen konnten, da nun zum einen die Messlatte kräftig hoch hing und der Laden sich aufgrund der Uhrzeit (nach 1 Uhr, wenn ich mich recht erinnere) schon langsam zu lichten begann.
Ich nehm’s hier schon mal vorweg: natürlich taten sie das!

Immer wieder schön zu sehen, dass die Qualitäten der 5 Pupsies längst nicht mehr nur in Kiel bekannt sind. Ist allerdings auch nicht weiter verwunderlich, wenn man sich mal vor Augen führt, wie fleißig sich die Bettys den Arsch abspielen.
So wurde in der Alge schon mal im März mit F3 gezockt, was scheinbar bleibenden Eindruck hinterlassen haben muss, denn die Publikumsreaktion unterschied sich hier nicht großartig von den letzten Gigs in Kiel (die Releaseparty in der Schaubude mal ausgenommen).
Interessant übrigens an dieser Stelle zu erwähnen, dass in Oschersleben einige Bekloppte sogar eine Band mit dem selten dämlichen Titel „The Power Rangers of Hardcore“ gegründet haben. Mehr Ehrerbietung geht ja kaum.
Neben den Songs von den Split-Scheiben mit TFW/Cut’n’Run, gab’s unter anderem einen mir relativ neuen Song mit dem Titel „Now more than ever“, in dessen Ansage auf den „Naziaufmarsch“ in Kiel am Folgetag, angeführt von Angela Merkel und Peter Harry Carstensen, aufmerksam gemacht wurde (als ich am nächsten Tag den mit Deutschlandfahnenträgern verstopften Kieler Bahnhof erreichte, wurde mir klar, dass das möglicherweise nicht nur als Scherz gemeint war).

Nachdem die Setlist nach etwa 40 Minuten mit „The Problem is an Egoist“ endete, wurden dann noch lautstark Zugaben eingefordert.
Alles in allem ein ziemlicher Kontrast zu dem Gig, den TB vor einem Jahr ein paar Kilometer entfernt in der Magdeburger Sackfabrik abgeliefert haben und bei dem sie von der relativ vollen Halle fast komplett ignoriert wurden.

Was dann folgte, war eine Party, die bis ca. halb sieben andauern sollte und über deren schändliches Treiben ich an dieser Stelle mal den Mantel des Schweigens breite.
Nach einer Stunde Schlaf ging mir dann leider die Zeit und der Mitfahrplatz für den Rest der Tour aus – also ab in die nächste Bimmelbahn und zurück nach good old Kiel und sofort auf’m Sitz mit einem für Stunden währenden seligem Dauergrinsen eingenickt.

www.goodboysrecords.de

www.tacklebeTTy.de

www.kmhc.de

www.myownlife.de

www.theforcewithin.net

- Beitrag von: Dr.JoyBoy.Love
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