RHONDA, PALOMA AND THE MATCHES / 02.02.2019 – Hamburg, Mojo Club

Die letzten drei Hamburger Konzerttrips führen mich nacheinander in Schuppen, deren Namen man zum Teil seit Ewigkeiten kennt, in die es mich aus unbekannten Gründen bisher aber nie verschlagen hatte. Erst zu FUCKED UP ins Molotow, heute zu RHONDA in den Mojo Club und wenig später wird noch das Stellwerk mit DEADHEADS/DEVIL’S DAY-OFF folgen. Mir ist klar, dass sowohl das Molotow als auch der Mojo Club bereits in früheren Inkarnationen existierten, bin aber überrascht, dass letzterer Schuppen tatsächlich unter Tage liegt. Zwei große Tore mit dem bekannten Mojo-„M“ werden wie Mülleimerdeckel hochgeklappt und runter geht’s ins Reich der Laster und schönen Klänge.

 

Rhonda

Bild von der RHONDA-Seite geklaut. Alle weiteren (unten) von MJ.

 

Wir treffen mehr Bekannte als erwartet – immerhin spielen heute auch die VIAGRA BOYS im Hafenklang. Unser Timing ist perfekt, denn wir stehen nach der Garderoben- und Getränke-Abwicklung pünktlich zur ersten Band vor der Bühne, was angesichts des „ausverkauft“-Faktors nicht selbstverständlich ist. Alles ganz schön schick hier. Mehrere Ebenen, ein Teil der Besucher*innen kann von einer Art Balustrade auf den Pöbel hinabblicken, die Bühne wird geschmackvoll von einer Rundbeleuchtung in Glühbirnenstyle bestrahlt.

 

Rhonda

 

Dafür dass die wenigsten PALOMA AND THE MATCHES vorher kannten (oder doch?), räumen die Bremer*innen heftig ab. Zu Recht, mir gefällt auch, was ich höre. Stilistisch verbindet PATM und RHONDA dieser gewisse Tarantino-Faktor. Auch hier denke ich jedenfalls häufiger an Sounds, wie sie der Regisseur gerne verwendet. In diesem Falle vielleicht etwas weniger soulig, aber auch mit psychedelischen Surf-Pop-Elementen. Eine Nummer geht als reiner Blues durch und der Gitarrist legt ein atemberaubendes Solo hin, welches verdient Szenen-Applaus einfährt. Die Sängerin bewegt sich anmutig und brilliert mit toller Stimme. Mit „White Rabbit“ präsentieren PATM einen JEFFERSON AIRPLANE-Song, der zwar schon häufig nachgespielt wurde, hier aber einen anderen Anstrich bekommt (als bei SLAPSHOT, haha). Überraschend guter Opener!

 

Rhonda

 

Ob auf den anderen Konzerten der Tour auch so viel Liebe den Saal schwängert wie in Hamburg? Schließlich stellt Hamburg Milos alte Homebase dar und in den ersten Reihen tummeln sich (auch) diverse Punkerfressen. Bei äußerst transparentem Sound entspinnt sich ein denkwürdiger Auftritt mit vielen geradezu magischen Momenten. Nichts kommt vom Band, RHONDA haben sogar einen dreiköpfigen Backgroundchor dabei, dessen Mitglieder genial schmettern und zu jedem Stück rhythmisch passend die Hüften schwingen. Milo ist grandios bei Stimme und röhrt des Öfteren so krass ins Mikro, dass man die Gänsehaut auf der Kopfhaut gar nicht mehr loswird. „Baby“, „I Need No Help“, „Habits“, „Don’t Boy“, „That’s How I Roll“ und „Camera“ sind einige der Höhepunkte. Bei letzterem finde ich Ben Schadows Gitarre so genial, das Ding könnte wirklich sehr gut in einem Film Noir laufen. Als Milo einen „Komm zu uns runter!“-Zwischenruf mit einem „Vielleicht?“ beantwortet, hätte sie wohl selbst nicht damit gerechnet, dass sie genau das wenig später tut! Sie versichert sich noch kurz „Ihr fangt mich doch auf?“, lässt sich dann fallen und es gibt Crowdsurfing zur Soul-Attacke. Spontan sprintet eine der Backgroundsängerinnen zum Leadmikro und übernimmt Milos Part, worauf im Mojo endgültig alle Dämme brechen. Die Zugaben „You Could Be Home Now“, „Terrible Lie“ und „When You Find Out“ (THE NERVES-Cover) dengeln jetzt noch durch meinen Kopf. Ein toller, herzlicher Auftritt mit viiiiiel Liebe!  

 

Respect the night

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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